Programm Kino und Kirche

Freitag, 27.09.2019 - 20.15 Uhr
A man of integrity (Iran, 2017)
(118 Minuten/ab 12)
Regie: Mohammad Rasoulof

Ein Fischzüchter in der iranischen Provinz will sich den Erpressermethoden eines örtlichen Kartells nicht beugen und gerät immer mehr unter Druck. Als er schließlich einsehen muss, dass er dem übermächtigen Netzwerk seiner Gegner auf legalem Weg nicht beikommt, lässt er sich ebenfalls auf die Untiefen des Systems ein. Protokollarischer Thriller mit unverblümter Kritik an der autoritären Gesellschaft im Iran, an Korruption und der staatlich forcierten Ausgrenzung von Minderheiten. Das bittere Fazit des Films trifft auch die Hauptfigur, die sich in einem Teufelskreis zwischen Rechtschaffenheit, Rechthaberei und Rache verrennt und darüber ihre Ideale aufgibt.
Wir zeigen diesen Film auch aus aktuellem Anlass, da Regisseur Mohammad Rasoulof, der sich in seinen Filmen kritisch mit der Politik seiner Heimat auseinandersetzt, im Juli dieses Jahres im Iran zu einer Freiheitsstrafe veruteilt wurde.

 

Freitag, 25.10.2019 - 20.15 Uhr
Gelobt sei Gott (F, 2019)
(138 Minuten/ab 6)
Regie: Francois Ozon

Alexandre lebt mit Frau und Kindern in Lyon. Eines Tages erfährt er, dass der Priester, von dem er in seiner Pfadfinderzeit missbraucht wurde, immer noch mit Kindern arbeitet. Er beschließt zu handeln und bekommt bald Unterstützung von zwei weiteren Opfern, Francois und Emmanuel. Gegenseitig geben sie sich Kraft und kämpfen dafür, das Schweigen, das über ihrem Martyrium liegt, zu brechen. Ihr Widerstand formiert sich und wird zu einer Lawine, die am Ende nicht mehr aufzuhalten ist.
Die tatsachengetreuen Ereignisse um den Missbrauchsskandal in Lyon hat François Ozon in einem fiktionalen Film verarbeitet. Atemlose Bilder, immer im Wettlauf mit den aktuellen Entwicklungen, verleihen GELOBT SEI GOTT eine emotionale Wucht, der man sich kaum entziehen kann. Stilsicher und mitreißend erzählt und ausgezeichnet mit dem Großen Preis der Jury auf der Berlinale 2019, ist der Film nicht nur eine erschütternde Bestandsaufnahme der Versäumnisse in der Katholischen Kirche, sondern auch ein Plädoyer für Mut und Zusammenhalt.

 

Freitag, 15.11.2019 - 20.15 Uhr
Im Rahmen der Lkumenischen FriedensDekade: Kindeswohl (England, 2017)
(106 Minuten/ab 12)
Regie: Richard Eyre

Eine erfahrene englische Familienrichterin, die in einer tiefen Ehekrise steckt, muss unter Zeitdruck eine ethisch anspruchsvolle Entscheidung treffen: Soll sie gegen den erklärten Willen eines 17-jährigen Patienten eine womöglich lebensrettende Bluttransfusion anordnen? Die Juristin entschließt sich, den an Leukämie erkrankten Jugendlichen im Krankenhaus aufzusuchen, was für beide unabsehbare Folgen nach sich zieht.
Das Drama nach dem gleichnamigen Roman von Ian McEwan skizziert nachdenklich und gut recherchiert ein Ehe- und Justizdrama mit einer distinguierten Frau im Mittelpunkt, die zu ihren Gefühlen keinen Zugang hat und die von Emma Thompson mit hinreißend zurückgenommenen Spiel verkörpert wird.

 

Freitag, 29.11.2019 - 20.15 Uhr
Wir sind Juden aus Breslau (D, 2017)
(113 Minuten/ab 12)
Regie: Karin Kaper, Dirk Szuszies

14 jüdische Zeitzeugen erzählen von ihrer Kindheit in Breslau, davon, wie sie der Vernichtung entkamen und wie es ihnen im Exil erging. Die Gespräche werden durch Spaziergänge durch das heutige Wrocław ergänzt, bei denen die Protagonisten einer deutsch-polnischen Jugendgruppe ihre ehemalige Stadt zeigen. Hinzu kommen alte Fotos, Familienbilder, historische Zeitungsausschnitte und Tondokumente.
Die hier geknüpften Zeitschleifen sind enorm. In 14 Lebensläufen entsteht eine Reise um die halbe Welt. Eine bewegende und perspektivenreiche Dokumentation.

 

Freitag, 20.12.2019 - 20.15 Uhr
Das innere Leuchten (D, 2019)
(100 Minuten/ab 6)
Regie: Stefan Sick

Der an Demenz Erkrankte erlebt den Momentfrei von Vergangenheit und Zukunft. Sprache, Denkvermögen, Erinnerung und Bewegungsfähigkeit sind immer mehr eingeschränkt. Wie lebt man mit dieser Krankheit?
Regisseur Stefan Sick beobachtet demente Menschen in einer Pflegeeinrichtung in Stuttgart. Diese Beobachtungen bleiben gänzlich unkommentiert. Es gibt keine Interviews, keine Gespräche und keine Off-Kommentare. Der Film nimmt sich einfach Zeit für die Augenblicke, entdeckt gemeinsam mit seinen Protagonisten die Langsamkeit, Mühseligkeit und die Schönheit der stets wiederkehrenden Rituale des Alltags. Traurigkeit, Heiterkeit und Nachdenklichkeit sprechen für sich. Ohne die Schwere des Themas auszusparen, baut der Film eine starke emotionale Nähe zu den Erkrankten auf und möchte dem Zuschauer ihren Blick auf die Welt erfahrbar machen.


 

Freitag, 31.01.2020 - 20.15 Uhr
Crecsendo (D, 2019)
(112 Minuten/ab 6)
Regie: Dror Zahavi

Im Rahmen von Friedensverhandlungen soll in Südtirol ein Konzert eines Jugendorchesters junger Palästinenser und Israelis unter massiven Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Die Jugendlichen wollen die Friedensbemühungen nicht aufgeben und sehen vor allem die Chance, mit dem berühmten Dirigenten zu arbeiten, der ihnen vielleicht zu einer internationalen Karriere verhelfen wird. Der Dirigent übernimmt nicht nur die musikalische Anleitung, sondern ebenso die psychologische, indem er versucht, den gegenseitigen Hass abzubauen und den Jugendlichen gegenseitigen Respekt zu vermitteln.
Durch viele kleine Einzelgeschichten und einem überzeugend agierenden jungen Ensemble werden viele Facetten der Auseinandersetzung und des Austauschs gezeigt. Über sein eigentliches Thema hinaus setzt der Film ein mutiges, wichtiges und inspirierendes Zeichen: Dass Grenzen dazu da sind, überwunden zu werden. Durch Zuhören, Reden und Aufeinander zugehen – und natürlich die Kraft der Musik.

 

Freitag, 28.02.2020 - 20.15 Uhr
Gott existiert, ihr Name ist Petrunya (Mazedonien/Belgien, Frankreich, 2019)
(100 Minuten/ab 12)
Regie: Teona Strugar Mitevska

Petrunya ist 32 Jahre alt, ledig und arbeitslos. Zwar ist sie promovierte Historikerin, doch mit solch einen esoterischen Metier hat sie in Mazedonien kaum eine Chance auf eine Anstellung. Am Dreikönigstag tauchen wie jedes Jahr die jungen Männer der Stadt nach dem heiligen Kreuz, das der Priester in den eisigen Fluss wirft. Doch diesmal ist Petrunya die Schnellste und hält die Trophäe in die TV-Kameras. Ihre vermeintliche Heldentat ist ein waschechter Skandal. Aber Petrunya hält das Kreuz fest. Sie hat es gewonnen und wird es nicht aufgeben.

Die Filmemacherin Teona Strugar Mitevska beschreibt differenziert und ambivalent eine Gesellschaft, die noch keinen rechten Weg gefunden hat, ihre lange Tradition mit der Moderne zu versöhnen und deren Staus Quo nun von einer ebenso mutigen wie willensstarken Frau auf die Probe gestellt wird.
Gott existiert, ihr Name ist Petrunyagewann auf der Berlinale 2019 den Preis der Ökumenischen Jury sowie den Gilde Filmpreis. Auf dem Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund|/Köln 2019 wurde der Film mit dem Hauptpreis ausgezeichnet.

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