Programm Kino und Kirche

Freitag, 28.02.2020 - 20.15 Uhr
Gott existiert, ihr Name ist Petrunya (Mazedonien/Belgien, Frankreich 2019)

(100 Minuten/ab 12)
Regie: Teona Strugar Mitevska

Petrunya ist 32 Jahre alt, ledig und arbeitslos. Zwar ist sie promovierte Historikerin, doch mit solch einen esoterischen Metier hat sie in Mazedonien kaum eine Chance auf eine Anstellung. Am Dreikönigstag tauchen wie jedes Jahr die jungen Männer der Stadt nach dem heiligen Kreuz, das der Priester in den eisigen Fluss wirft. Doch diesmal ist Petrunya die Schnellste und hält die Trophäe in die TV-Kameras. Ihre vermeintliche Heldentat ist ein waschechter Skandal. Aber Petrunya hält das Kreuz fest. Sie hat es gewonnen und wird es nicht aufgeben.

Die Filmemacherin Teona Strugar Mitevska beschreibt differenziert und ambivalent eine Gesellschaft, die noch keinen rechten Weg gefunden hat, ihre lange Tradition mit der Moderne zu versöhnen und deren Staus Quo nun von einer ebenso mutigen wie willensstarken Frau auf die Probe gestellt wird.
Gott existiert, ihr Name ist Petrunyagewann auf der Berlinale 2019 den Preis der Ökumenischen Jury sowie den Gilde Filmpreis. Auf dem Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund|/Köln 2019 wurde der Film mit dem Hauptpreis ausgezeichnet.

 

Freitag, 27.03.2020 - 20.15 Uhr
Die perfekte Kandidatin (Saudi-Arabien/Deutschland 2019)

(101 Minuten/ab 12)
Regie: Haifaa Al-Mansur

Ein Film über den langsamen Wandel Saudi-Arabiens hin zu mehr Liberalität, festgemacht am Porträt einer kämpferischen Frau. Eine junge Ärztin, die immer wieder an die Grenzen stößt, die Frauen in ihrem Land gesetzt sind, gerät zunächst mehr aus Zufall, dann mit wachsendem Engagement in die Lage, als Kandidatin in einer Lokalwahl anzutreten, und leistet damit öffentlich Widerstand gegen frauenfeindliche Traditionen. Während sie zusammen mit ihrer Schwester eine Wahlkampagne organisiert, tritt ihr Vater, ein Musiker, zusammen mit seiner Musikgruppe im Zuge des kulturpolitischen Tauwetters eine Tournee an.
Ein trotz aller Widrigkeiten, die den Figuren begegnen, von Optimismus getragenes Drama, das von den Hoffnungen einer saudi-arabischen Mittelschichtsfamilie auf den gesellschaftlichen Transformationsprozess des Landes erzählt und dies stimmig verbindet mit einer Hommage auf Saudi-Arabiens lange unterdrückte musikalische und allgemein künstlerische Traditionen.

 

Freitag, 24.04.2020 - 20.15 Uhr
Für Sama (England/Syrien 2019)

(100 Minuten/ab 12)
Regie: Waad-al-Kateab, Edward Watts

Waad-al-Kateab ist eine junge Journalistin. Mit ihrem Mann Hamza, einem Arzt, der im Krankenhaus die Verletzten versorgt, und ihrer keinen Tochter Sama lebt sie in Aleppo und filmt ihren Alltag während der Belagerung. Ein Leben im Ausnahmezustand mit Szenen unvorstellbaren Leids, aber auch der Lebenslust.
Das Kriegstagebuch der Syrerin ist ein beeindruckendes Dokument von brutaler Wahrhaftigkeit und in seinem verhaltenen Optimismus ein beinahe zärtliches Geschenk an die eigene Tochter – die kleine Sama, geboren im eingekesselten Aleppo während der Bombenangriffe. Waad al-Kateabs Film entstand unter Mitwirkung des erfahrenen Dokumentaristen Edward Watts. Ihr gemeinsames Werk ist nicht nur ein Appell gegen den Krieg, sondern ein Weckruf an die Welt und ein Angriff auf die Gleichgültigkeit des Wegschauens.
"Für Sama" wurde beim Filmfestival in Cannes 2019 als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet und erhielt auch den Europäischen Filmpreis als Bester Dokumentarfilm des Jahres 2019.

 

Freitag, 29.05.2020 - 20.15 Uhr
Ein Licht zwischen den Wolken (Albanien 2018)

(84 Minuten/ab 0)
Regie: Robert Budina

Als ein Hirte in seinem albanischen Bergdorf, in dem Muslime und Katholiken zusammenleben, unter dem Putz der Moschee ein Christusbild entdeckt, gerät der Dorffrieden in Gefahr. Auch muss sich der fromme Mann mit seinen fernab lebenden Geschwistern auseinandersetzen, die mit der Aussicht auf den nahen Tod des Vaters ihre Ansprüche auf dessen Haus geltend machen.
Mit atemberaubend schönen Bildern und langen, ruhigen Einstellungen beobachtet das dialogarme Drama die Meinungsverschiedenheiten und vermittelt über den Dorf-Mikrokosmos die schwierigen Prozesse, die am Beginn jeder religiösen Toleranz stehen. Der in sich gekehrte Hirte entpuppt sich in dem zutiefst humanistischen Film als Vermittlerfigur, der dem Konfliktpotenzial seine Güte und die Sehnsucht nach Liebe entgegenhält.

 

Freitag, 26.06.2020 - 20.15 Uhr
Ein verborgenes Leben (Deutschland/USA 2019)

(174 Minuten/ab 12)
Regie: Terrence Malick

Anfang der 1940er-Jahre gerät der tiefgläubige oberösterreichische Bauer Franz Jägerstätter in einen Gewissenskonflikt, als er für die Nationalsozialisten in den Krieg ziehen soll. Trotz aller Anfeindungen in seinem Dorf verweigert er den Eid auf Hitler und wird 1943 wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt.
Der US-amerikanische Filmemacher Terrence Malick eignet sich diesen historischen Stoff in seiner unverwechselbaren Weise an und verwebt ihn zu einem leisen und bewegenden Bekenntnis für eine Ethik des Widerstands und des reinen Gewissens. Die zelebrierte Dorfidylle der Friedenszeit unterstreicht dabei stimmig die Darstellung eines vom Bösen zerstörten Paradieses.
"Ein verborgenes Leben" erhielt beim Filmfestival in Cannes 2019 den Preis der Ökumenischen Jury.

 

Freitag, 24.07.2020 - 20.15 Uhr
The Farewell (USA 2019)

(101 Minuten/ab 12)
Regie: Lulu Wang

Eine junge Sino-Amerikanerin fliegt nach China, wo sich ihre Verwandten um die todkranke Großmutter versammeln, die nur noch wenige Wochen zu leben hat. Doch niemand darf der alten Frau die Wahrheit sagen, weshalb eine Hochzeit arrangiert wird, um das Zusammentreffen der Großfamilie zu erklären.
Der tragikomische, auf autobiografischen Erlebnissen fußende Film um eine „wahre Lüge“ entfaltet mit kraftvoll-schrulligen Charakteren und liebevollen Details eine weibliche Weltsicht, in der Herzhaft-Komisches neben bieder-banalen Momenten steht. Ein herzerwärmender Film mit einem feinen Gespür für gesellschaftliche wie kulturelle Unterschiede.

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