Sommerferienblog - Musikalische Sommerreise
Baba Yetu – Wenn Musik Gebet wird und Gemeinschaft stiftet
Baba yetu, yetu uliye
Mbinguni yetu, yetu, amina!
Baba yetu, yetu, uliye
Jina lako litukuzwe
„Baba yetu uliye mbinguni“ – klingt zunächst vielleicht wie der Titel eines Sommerhits, den man nach drei Minuten mitsummen kann, ohne ein Wort zu verstehen. Tatsächlich bedeutet es auf Swahili ganz schlicht: „Unser Vater, der du bist im Himmel“. Mit anderen Worten: Es handelt sich um das Vaterunser – allerdings in einer musikalischen Version, die garantiert mehr Bewegung in die Füße bringt als manche sonntägliche Liturgie.
Swahili, die in Ostafrika weit verbreitete Sprache, betont das Miteinander besonders stark. So wird aus dem vertrauten „Unser Vater“ in „Baba Yetu“ mehr als ein persönliches Gebet. Es wird zu einer Einladung in die Gemeinschaft – mit Gott und miteinander. Denn beten kann man zwar allein, aber viele Gebete entfalten ihre besondere Kraft erst dann, wenn Menschen sie gemeinsam sprechen oder singen.
Wie lebendig und ansteckend das sein kann, zeigt die Interpretation des südafrikanischen Chors aus Stellenbosch. Hier wird das Vaterunser nicht nur gesungen, sondern regelrecht gefeiert. Der Chor vereint Stimmen aus allen Ethnien Südafrikas – der sogenannten „Regenbogennation“, deren Nationalblume, die Protea, auf dem Bild zu sehen ist.
Wer Südafrika bereist hat, weiß, dass das Land auch heute noch mit großen Herausforderungen ringt: Armut, Ungleichheit und gesellschaftliche Spannungen gehören leider weiterhin zum Alltag vieler Menschen. Und doch begegnet einem dort immer wieder etwas anderes: eine erstaunliche Lebensfreude, eine tiefe Liebe zur Musik, spontane Tanzschritte, herzliche Gastfreundschaft und die Fähigkeit, selbst schwierigen Zeiten eine Melodie entgegenzusetzen.
Genau das macht „Baba Yetu“ so besonders. Ein jahrtausendealtes Gebet wird neu erzählt, neu gesungen und über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg verständlich. Worte der Hoffnung verwandeln sich in Musik, die verbindet. Und plötzlich merkt man: Die Sehnsucht nach Sinn, Frieden und Gemeinschaft spricht nicht nur Deutsch, Englisch oder Swahili. Sie ist eine Sprache, die Menschen überall auf der Welt verstehen.
Vielleicht ist das ja eines der kleinen Wunder der Musik: Sie schafft es, dass Menschen gemeinsam „Unser Vater“ singen – selbst dann, wenn sie nicht dieselbe Sprache sprechen. Und manchmal sagt ein Chor dabei mehr über Versöhnung und Zusammenhalt aus als viele lange Reden.
Beate Harder
Link zum Lied: https://youtu.be/PCa8RxaOPW8?si=TNlt6tqZ1sfY1OBz


